Die Adventgemeinde Berlin-Charlottenburg - ein Rückblick


80er Jahre

1891
Die adventistische Missionsarbeit in Berlin begann 1891. Schon 1896 gab es in Berlin über 100 Adventisten, im Jahr 1914 war die Zahl auf über 1000 angestiegen. Die ersten Mitglieder kamen aus einer Baptistengemeinde.

1907
Die Gemeinde Charlottenburg wurde am 1. Januar 1907 mit 65 Geschwistern gegründet. Vorher fand eine Vortragsreihe mit Brd. Wendtland statt.

1924
1924 wurde eine sehr aktive Tabeagruppe ins Leben gerufen, die sich in einer Nähstube traf. Zu ihren Aufgaben gehörte: Unterstützung von Hilfsbedürftigen mit Wäsche, Kleidung und Lebensmitteln, Versorgung von Soldaten mit Wollkleidung, Herstellung von Pantoffeln aus abgetragenen Kleidungsstücken. Diese wurden an ein Lazarett für Beinkranke abgegeben.

1929
1929 wurde die Kapelle in der Kantstraße eingeweiht. Von 1929-1945 versammelte sich die Gemeinde dort.

1932
Den höchsten Gliederstand hatte die Gemeinde Charlottenburg am 1.1.1932 mit 244 Personen.

1945
1945 wurde die Kapelle in der Kantstraße durch Brand zerstört. Die Gottesdienste fanden in unserer baptistischen Nachbargemeinde, Bismarckstraße (Friedenskirche), statt.

1948
1948 wurde die Arbeit der Tabeagruppe wieder aufgenommen. Eine Gemeindeliste von 1948 weist ca. 200 Gemeindeglieder auf.

1950
Am 2.11.1950 fand der Kauf des Gebäudes Schloßstraße 6, durch Harry Rösler, dem Geschäftsführer der Charlottenburger Nährmittelgesellschaft mbH, statt. Durch finanzielle Unterstützung der Gemeinschaft, auch durch finanzielle Hilfe von Geschwistern aus den USA, war es möglich das Grundstück zu erwerben und eine Kapelle zu bauen. Einen großen Anteil an der Gesamtplanung hatte der Verbandsvorsteher Brd. M. Budnick. Die Leitung des Baues hatte der Architekt Brd. F. Hübner-Hennig. Bauausführende Firma war "Hochbau Märzke", in der ca. 90% aller Beschäftigten - vom Bauleiter, Maurer bis zum Bauhilfsarbeiter - den verschiedensten Berliner Adventgemeinden angehörten.

Das vormals auf dem Grundstück befindliche Gebäude war ein sogenanntes "Freihaus". D.h. die Bewohner dieses Hauses waren Beschäftigte am Hofe des Königs im Schloss Charlottenburg (damaliger Name von Charlottenburg war Lietzow) und waren von der Zahlung von Steuern und sonstiger Abgaben befreit, daher der Name "Freihaus".

1951
Das Grundstück war eine Ruine und mußte abgetragen und der Schutt beseitigt werden. Die Arbeiten begannen im Januar 1951, die Gemeindeglieder beteiligten sich rege daran.

Bei Beginn der Bauarbeiten hatte sich der damalige Wirt der Gastwirtschaft an der gegenüberliegenden Ecke Neue Christstraße einen regen Zuspruch durch die Bauarbeiter erhofft. Enttäuscht musste er feststellen, dass alle seine Einladungen zu Freibier und sonstigen alkoholischen Getränken nicht den erhofften Erfolg hatten.

Bei Beginn der Schachtarbeiten stießen die Bauarbeiter auf einen etwa einen Kubikmeter großen Findling, dessen Beseitigung allen große Kopfschmerzen bereitete, denn damals standen nicht die heutigen technischen Möglichkeiten zur Verfügung. So musste er von Hand zerkleinert werden. Die Bruchstücke wurden mit im Gebäudefundament verarbeitet.

Der Grundstein mit der Schatulle, in der sich ein paar Münzen, verschiedene Schriften (Erntedank-Zeitschrift, Adventbote) und die Namen der damals Verantwortlichen in Gemeinde, Vereinigung und Verband sowie der leitenden Bauleute befanden, wurde in der Mauer an der Stirnseite des kleinen Saales links der kleinen Treppe eingemauert. Die in der Schatulle mit eingemauerten Bibelverse: Neh. 4,4 (Und das Volk von Juda sprach: Die Kraft der Träger ist zu schwach, und der Schutt ist zuviel; wir können an der Mauer nicht weiterbauen) und Neh. 3,38 (Aber wir bauten die Mauer und schlossen sie bis zur halben Höhe. Und das Volk gewann neuen Mut zu arbeiten), waren kennzeichnend für die damalige Situation. Die kleine Feier fand an der gleichen Stelle und, weil der Raum nicht ausreichte, auf dem Hof davor statt.

Am 2. März 1951 war alles eingeebnet, wenige Tage später erfolgte der erste Spatenstich. Das Baumaterial wurde Tag und Nacht bewacht, damit es nicht gestohlen wurde. Dafür gab es im Hof Wachhäuschen. Am 16. April 1951 begannen die Maurerarbeiten. Br. Durdis erlitt während der Bauarbeiten einen Unfall mit lebenslangen Folgen. Das Richtfest wurde im September gefeiert. Die Brüder Mueller, Budnick und Bürger hielten kurze Ansprachen.

Die Einweihung der neuen Kapelle fand am Sabbat, dem 22.12.1951, statt. Laut Bericht im Adventboten waren 600(!) Besucher anwesend. In der Weihepredigt bezeichnete der Redner Brd. W. Mueller die Gemeindeglieder als lebendige Steine, deren Aufgabe es sei, die Rettungsbotschaft Gottes den Bewohnern ihrer Umgebung durch Wort und Tat zu verkündigen.

Nach der Ansprache und dem Weihegebet erfolgte die Übergabe der Kapelle an Brd. Rönisch, den Bezirksältesten.

Eigens zur Einweihung wurde von Brd. Wolff, dem Leiter der Gemeinde Charlottenburg, eine Festkantate für Sopran- und Baritonsolo, gemischten Chor und Orchester komponiert, deren Text wir noch vorliegen haben.

Der Text war folgender:

Und David schwur dem Herrn und gelobte dem Mächtigen Jakobs: Ich will nicht in die Hütte meines Hauses gehen, noch mich aufs Lager meines Bettes legen, ich will meine Augen nicht schlafen lassen, noch meine Augenlieder schlummern, bis ich eine Stätte finde für den Herrn, zur Wohnung dem Mächtigen Jakobs. (Ps. 132, 1-5)

Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth! Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des Herrn: mein Leib und Seele freuen sich in dem Herrn dem lebendigen Gott. Denn der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ihr Nest, da sie Junge hecken: deine Altäre, Herr Zebaoth, mein König und mein Gott. Wohl denen, die in Deinem Hause wohnen: die loben dich immerdar. (Ps. 84, 2-5)

Herr Gott Israels, es ist kein Gott weder droben im Himmel, noch unten auf der Erde dir gleich, der du hältst den Bund und die Barmherzigkeit deinen Knechten, die vor dir wandeln von ganzem Herzen. Siehe der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen, wie sollte es dies Haus tun? Wende dich aber zum Gebet deines Knechtes, Herr, mein Gott: Laß deine Augen offenstehen über dieses Haus Tag und Nacht, über die Stätte davon Du sagtest: Mein Name, mein Name soll da sein! (1. Kön. 8, 23 + 27b-29a)

Halleluja! Lobt den Herrn in seinem Heiligtum, lobet ihn in der Feste seine Macht! Lobet ihn in seinen Taten; Lobet ihn in seiner großen Herrlichkeit! Heilig, heilig ist der Herr! Lobet ihn mit Psalter und Harfe; Lobet ihn mit Saiten und Pfeifen. Alles was Odem hat, lobe den Herrn! Halleluja! (Ps. 150, 1-5)

Zahlreiche Ehrengäste und Stadtvertreter überbrachten ihre Glückwünsche, u. a. auch der Bürgermeister von Charlottenburg, Dr. Batzel.

1952
Außer dem großen Saal gab es noch einen Raum für die Jugend und für die Tabeagruppe. Außerdem wurden an die Kapelle ein Wohnhaus mit vier Wohnungen, eine Hausmeister- und eine Predigerwohnung angebaut. Im Mai 1952 wurden die Wohnungen bezogen.

1953
Eine Gemeindeliste vom 15. Februar 1953 listet 199 Gemeindeglieder auf.

1954
Am 11.12.1954 wurde das 30-jährigen Bestehen der Tabea-Gruppe durch ein Wohlfahrtsfest gefeiert.

1956
Die 50-Jahr-Feier der Gemeinde Charlottenburg fand am 29.12.1956 statt. Prediger war damals: H. Vollrath, der Vorsteher: G. Rönisch.

1973
1973 wurde das benachbarte Seniorenwohnhaus eingeweiht.

Ende der 70er Jahre wurde ein Teil des Jugendraumes baulich abgetrennt und der Wohnung des Predigers (Br. Schmiedel) zugeschlagen. Der Raum wurde - je nach Familiensituation des jeweiligen Predigers - entweder als Kinderzimmer oder Arbeitszimmer genutzt.)

1990
Nach unglücklichen Entwicklungen Ende der 80er Jahre war die Gliederzahl der Gemeinde stark geschrumpft. Die Vereinigungsleitung (Vorsteher Waldemar Blume) musste sogar anfangen, über den Fortbestand der Gemeinde nachzudenken.

1992
Im Sommer 1992 wurden Bernhard Bleil und Matthias Müller mit dem Start des Dynamis-Projektes beauftragt, das B.Bleil zunächst alleine in Angriff nahm. Er lud eine Reihe jüngerer Berliner Geschwister zur Mitarbeit ein.

1993
1993 setzte Matthias Müller nach seinem Amerika-Studium gemeinsam mit B.Bleil und den ersten "Dynamis"-Studenten die zuvor begonnene missionarische Arbeit fort. 1995 ersetzte Andreas Pape Matthias Müller. Als Räume für Dynamis wurden zu Übernachtung das Jugendzentrum im Keller (Jungen) und eine Wohnung im Wohnhaus (Mädchen) genutzt. Als Unterrichtsraum diente der Seminarraum (ab 1997 polnische Gemeinde). (Das Dynamis-Projekt wurde 1997 beendet.) Die Gliederzahl der Gemeinde wuchs langsam wieder an. Im Laufe der Zeit gelang es, dass die Gemeinde wieder selbsttragend arbeitete, d.h. nicht mehr auf Mietzuschuß durch die Vereinigung angewiesen war.

1997
Anfang 1997 siedelte die polnische Gruppe von Mariendorf in das Gemeindehaus nach Charlottenburg um, renovierte einen der unteren Räume und wurde im Mai desselben Jahres als Gemeinde gegründet. Damit wurde zwar der polnischen Gemeinde geholfen, die Raumsituation für die Gemeinde Charlottenburg jedoch etwas eingeengt. Der ehemals für private Nutzung abgetrennte Raum hinter der Empore wurde nun von Familie Müller wieder für die Gemeindenutzung zur Verfügung gestellt und durch die Jugend umgebaut, so dass jetzt wieder ein größerer Raum für Jugendarbeit und Bibelkreise zur Verfügung stand.

1999
1999 zog die englische Gruppe, die sich bislang im Gesundheitszentrum von "Waldfriede" versammelt hatte, in den verbleibenden Raum des Kellergeschosses um, der zuvor von Gemeindegliedern Charlottenburgs in Zusammenarbeit mit der Grundstücksverwaltung aus dem bisherigen "Jugendzentrum" (Übernachtungsräume) zu einem einzigen Raum umgebaut worden war.

2000
Der Zustand der elektrischen Orgel verschlechterte sich zusehends, so dass eine Neuanschaffung ins Auge gefaßt werden musste. Da durch die Zusammenlegung der Gemeinden Steglitz und Wilmersdorf dort sowohl eine relativ neue Computerorgel als auch eine kleine Pfeifenorgel vorhanden waren, willigte die Vereinigungsleitung und die beteiligten Gemeinden ein, dass die Pfeifenorgel Ende 2000 nach Charlottenburg umgesetzt wurde und die Gemeinde Charlottenburg dafür einen wesentlichen Beitrag an den Restaurierungskosten übernahm.


Orgel

2001
Das Gemeindehaus wurde durch die deutsche Gemeinde (im Jahre 2001 ca. 120 Glieder - inklusive englischsprachige Gruppe mit ca. 25-30 Gottesdienstteilnehmern) und die polnische Gemeinde (2001 ca. 40 Glieder) intensiv genutzt. Regelmäßige Evangelisationen und größere Gottesdienste, Jugendsabbate, Konzerte usw. veranlassten die Grundstücksverwaltung, nach einem Sicherheitcheck einige Reparaturen und Sanierungsmaßnahmen einzuleiten. So mußte z.B. die inzwischen gefährliche Außentreppe erneuert werden, eine Rampe für Rollstuhlfahrer wurde am Wohnhauseingang angelegt, Licht- und Klingelanlage erneuert, Brandschutztüren wurden angebracht, eine Trennwand in Brandschutzqualität zwischen Empore und Jugendraum gesetzt. Außerdem entschloß sich die Gemeinde zu einer malermäßigen Instandsetzung der Räume, die teils in Eigenleistung, teils durch Firmen geleistet wurde. Die Renovierungsarbeiten wurden rechtzeitig abgeschlossen, so dass NET 2001 Auf der Suche, eine europaweite Satellitenevangelisation vom 9.11-1.12.2001 - (gehalten vom derzeitigen Prediger in Charlottenburg, Matthias Müller) - durchgeführt werden konnte. Allein in Deutschland sind die Vorträge aus Charlottenburg von bis zu 20.000 Menschen gesehen worden.

Am 1. Januar 2002 jährt sich die Gründung der Gemeinde Berlin-Charlottenburg zum 95. Male.

© Verantwortlich für den Inhalt: Christina Ihrig, Matthias Müller im Dezember 2001
Erstellt auf der Grundlage von persönlichen Gesprächen mit Augenzeugen, Fotos aus dem Besitz von Ingrid Siefert bzw. Hedwig Durdis, Fotos und Unterlagen von Sigrid Ruehl, Fotos und Dokumenten aus dem Archiv der Grundstücksverwaltung Berlin, Unterlagen aus dem Archiv für Adventgeschichte in Friedensau. Allen sei ausdrücklich für die Zuarbeit gedankt.


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